Der Dampfvirus hat mich im zarten Alter von neun Jahren erwischt, als mein Vater mit mir ab und zu zum Dampflok gucken gefahren ist. Ich wollte natürlich Lokführer auf einer Dampflok werden, aber als ich mit der Schule fertig war gab es die nicht mehr. So habe ich dann Betriebsschlosser auf einer in der Nähe befindlichen Schachtanlage gelernt. Aber der Dampfvirus war in mir und so habe ich mit 24 Jahren angefangen, Dampfmodelle zu bauen nachdem ich mir eine Drehmaschine zugelegt hatte
Ich habe damals schon immer mal dran gedacht die Meisterprüfung zu machen. Als ich dann den Entschluss fasste und ab 1999 zur Meisterschule ging wurde uns gesagt, dass wir zur Prüfung im Jahr 2000 als Handwerksmeister ein Meisterstück nach eigener Wahl zu bauen hätten.
Also war mir klar, dass mein Meisterstück eine Dampfmaschine sein soll. Ich entschied mich für eine Stuart No.1, da es für mich die schönste Maschine von Stuart ist.
Für die Meisterprüfung als Feinwerkmechanikermeister hatte ich ein Zeitlimit von 80 Stunden und ich dachte mir, dass man es schaffen kann wenn man sich ranhält.
Aber ich musste den Prüfungsausschuss erst einmal davon überzeugen, eine Dampfmaschine aus Gussteilen zu bauen. Die wollten das wohl nicht, denn sie waren der Meinung, dass man die Gussteile ja nur noch zusammenschrauben müsste und alles sei dann fertig. Ich konnte sie aber dann doch noch überzeugen. Daraufhin verlangte der Prüfungsausschuss, dass ich auch noch einen Kessel bauen müsste, denn der gehört zu einer Dampfmaschine dazu. Die Stuart No.1 in 80 Stunden zu bauen traute ich mit zu, aber auch noch mit einem Kessel, das hätte ich nicht geschafft. So bin ich auf die Idee gekommen das ganze Ding einen Druckluftmotor zu nennen, denn einen Kompressor brauchte ich dazu nicht zu bauen. Der Prüfungsausschuss war damit einverstanden.

Jetzt ging die Arbeit erst richtig los denn ich musste alle Zeichnungen als CAD Zeichnungen für die Maschine neu erstellen, denn einen Deutschen Meisterprüfungsausschuss braucht man nicht mit englischen Zeichnungen die in Zoll bemaßt sind gar nicht erst zu kommen. So habe ich alle Zeichnungen neu angefertigt, natürlich metrisch und mit runden Maßen. Als die Zeichnungen fertig waren habe ich Zuhause erst einmal eine Maschine zur Probe gebaut um zu sehen, ob auch alles passt.
Nun ging bei mir die Überlegung los, was machen wenn die Prüfung gelaufen ist, denn dann habe ich ja zwei  Dampfmaschinen. So kam ich auf die Idee noch eine Maschine seitenverkehrt zu bauen, um nach der Prüfung daraus eine Zwillingsmaschine für ein Dampfboot bauen zu können.
Während der Meisterprüfung habe ich dann die No. 1 so gebaut wie sie im Stuartkatalog abgebildet ist und es hat alles ganz wunderbar geklappt.
 


3 Meisterstücke, eine Rundbiegemaschine,
eine pneumatische Spannvorrichtung und
rechts im Bild mein "Druckluftmotor"


Mein Meisterstück


Technische Daten des "Druckluftmotors" Stuart No.1:
Bohrung: 50,8mm, Kolbenhub: 50mm, Drehzahl: max. 800 upm, Leistung: ca. 1 PS bei 500upm, 6bar Dampfdruck und 90% Füllung.

Nach der Prüfung habe ich dann aus meinem Meisterstück und der seitenverkehrt gefertigten Maschine eine Zwillingsmaschine mit Stephenson-Steuerung auf einer CNC- gefrästen Grundplatte aufgebaut.



Neben der Grundplatte sitzt
rechts die Zylinderölpumpe


Links unten im Bild die Schraube
des künftigen Dampfbootes


Für den Zwilling habe ich
eine neue Kurbelwelle gebaut
 

Inzwischen ist auch der Kessel fertig geworden. Es ist ein Wasserrohrkessel der Bauart Yarrow mit zwei Untertrommeln und einer Obertrommel. Der Kessel hat 92 Wasserrohre, 8,8 Litern Wasserinhalt und 1,5 qm Heizfläche. Geheizt wird natürlich mit Steinkohle wegen des Geruches und des Spielwertes.
 




Wasserrohre mit Ober-
und 2 Untertrommeln,
Material: 1.4571


Der äußere Kesselmantel
aus 1,5mm 1.4301


Um die Wasserrohre sitzt der innere
Kesselmantel. Zwischen beiden Mänteln sind
2 Hitzeschutzmatten, gesamt 3mm dick

Die Simplexdampfpumpe für die
Kesselspeisung ist ebenfalls schon fertig

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