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Eine
Schiffsdampfmaschine
aus Holz?
Das
Maschinenmodell des Schiffes im Maßstab 1:10 lässt sich sogar bewegen,
allerdings nur mit Ächzen und Stöhnen, wenn man an einem Vierkant der
Propellerwelle dreht. Das dazugehörige Linienschiff LE NAPOLEON mit 90
Kanonen und einer vollständigen Besegelung, wie sie zu der Zeit noch
(vorsichtshalber) bei Dampfschiffen üblich war, wurde von 1848 bis 1852 in
Toulon gebaut und ist auch als Schiffsmodell im Maßstab 1:150 zu sehen.
Dieses Schiff war eines der ersten großen Schraubenschiffe der
französischen Marine und das erste einer Serie von mehreren Schiffen
gleicher Größe. Noch Ende der 40er Jahre war, wie Matschoß 1908 über die
Entwicklung der Dampfmaschine schrieb, der Kampf zwischen Schaufelrad und
Schraubenantrieb durchaus noch nicht entschieden. Erst um 1850 wurden
große Schiffsdampfmaschinen für den
Schraubenantrieb gebaut, zunächst mit niedriger Drehzahl wie die bisher
gebauten Raddampfermaschinen und mit einem Zahnradgetriebe, um die für
einen Schraubenpropeller notwendige höhere Drehzahl zu erreichen. Die
folgenden Schiffe dieses Typs erhielten schon leichtere Maschinen mit
höherer Drehzahl und ohne das schwere Getriebe.
Da muß ein mutiger Konstrukteur am Werk gewesen sein. Diese liegende
Zwillingsmaschine mit Zylinderachsen quer zur Schiffslängsachse hat eine
Stephenson-Umsteuerung und bewegt zwischen ihren zwei Kurbeln ein großes
Zahnrad (auf den Fotos gut zu sehen)
und dieses ein
kleineres Zahnrad (nur auf einem Foto unter den beiden Handrädern schwach
erkennbar), das im Original direkt auf der Propellerwelle befestigt war.
Das große Rad an der Maschine hat in fünf Reihen je 80 Zähne, das kleinere
Zahnrad auf der Propellerwelle 41 Zähne. Reed's Engineers' Hand-Book zeigt
1891 eine ähnliche Maschine. In diesem Buch wie auch in der
Modellbeschreibung ist angegeben,
daß die Zähne
der Zahnräder der Originalmaschine aus Eichenholz gemacht waren. Bei einem
durchaus möglichen Bruch eines einzelnen Zahnes war ein Zahn aus Holz
leichter zu ersetzen als ein gußeiserner Zahn. So wurden damals auch die
Wind- und Wassermühlen gebaut.
Die beiden Zylinder sind an Steuerbord angeordnet, das große Zahnrad mit
der Kurbelwelle sowie die Kondensatpumpen unter der Kurbelwelle an
Backbord. Die waagerecht querliegende Anordnung der Zylinder bedingte,
durch die Schiffsbreite begrenzt, einen sehr kurzen Hub im Verhältnis zum
Zylinderdurchmesser. Beide Hälften dieser Zwillingsmaschine sind
spiegelbildlich gleich. Man kann sich vorstellen, daß bei Ausfall einer
Hälfte der Maschine das Schiff auch allein mit der anderen Hälfte zu
bewegen war.
Dem
Schiffsmaschinisten fällt die Kurbelversetzung von 180° auf. Das ist für
einen Schiffsantrieb ungewöhnlich, weil die Maschine beim Manöver in einem
der beiden Totpunkte stehen bleiben und dann nicht sofort wieder
angelassen werden kann. Bei diesen großen bewegten Massen wurde diese
Kurbelversetzung wohl als notwendig angesehen, um Erschütterungen des
Schiffs zu verringern. Ein guter Maschinist, der seine Maschine kennt,
wird eine derart langsame Maschine wohl so abstellen können, daß sie nicht
in einem Totpunkt stehen bleibt. Im Übrigen waren die Seeleute damals noch
nicht so verwöhnt, weil sie ja noch auf Segelschiffen das Manövrieren ganz
ohne Maschinenkraft gelernt hatten.

Dies Schiff soll einmal einen Dreidecker, also ein wesentlich größeres
Segelschiff gegen Strömung und Wind durch die Dardanellen geschleppt
haben, was in Marinekreisen großes Aufsehen erregt haben soll. Maschinen-
und Schiffsmodell waren noch 1987 in einem Marine-Museum in Frankreich zu
sehen. Das Maschinenmodell wirkte sehr alt und könnte zur Ausbildung
benutzt worden sein, wie das damals auch mit Modellen für große
Segelschiffe üblich war.
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Einige Daten
zu Schiff und Maschine
(aus einem Buch des Admirals Pâris)
Schiffslänge 71 m
Schiffsbreite 16 m
Nennleistung
960 PS
Zylinderdurchmesser 2,49
m
Kolbenweg (Hub) 1,63
m
Maschinendrehzahl
27,5 U/Min
Propellerdurchmesser
5,8 m
Zahl der Propellerflügel
6
mittlere Propellersteigung
8,4 m
Dampfdruck
1 bar
Kohlevorrat
616 t
Kohleverbrauch bei 12,24sm 89 t/Tag
Gewicht der 8 Kessel
204 t
Kesselwasserinhalt 106
t
Gewicht des großen Zahnrades 100 t
Gewicht des kleinen Zahnrades
27 t
Gesamtgewicht der Antriebsanlage
994 t |
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