Geschichte des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums

Die Schifffahrt auf der Elbe hat die Entwicklung der Stadt Lauenburg mindestens seit dem 14. Jahrhundert entscheidend mitgeprägt. Der in späteren Jahren weit überregionale Elbverkehr veranlaßte den Magistrat der Stadt Anfang der 1960er Jahre, neue Akzente im bereits seit 1927 bestehenden Museum zu setzen. Es entstand das LAUENBURGER ELBSCHIFFAHRTSMUSEUM im ehemaligen Rathaus der Stadt in der Elbstraße 59. In einer kontinuierlichen Schau galt es, die Entwicklung der Schifffahrt auf der Elbe oberhalb des Hamburger Hafens der letzten 200 bis 300 Jahre lebendig zu machen. Gemeinsam mit dem Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums e.V. wurden seit vielen Jahren aufgrund international definierter Aufgabenstellung (ICOM-Kodex) umfangreiche Sammlungsbestände - vielfach auch aus privaten Nachlässen ehemaliger Elbschiffer- zusammengetragen, die für die Dauerausstellung der Elbschiffahrtsgeschichte und deren Randgebiete von großem historischen Wert sind.  Wertvolle zeitgenössige Schiffsmodelle im einheitlichen Maßstab 1 : 50 führen heute dem Besucher vor Augen, wie sich die Entwicklung vom Einbaum, der Segelschifffahrt über die Ketten- und Radschleppschifffahrt bis hin zur modernen Motorschifffahrt vollzog.

 

Erster wichtiger Schwerpunkt der Museumsausstellung ist die bereits 1398 eröffnete Kanalverbindung zwischen der Elbe bei Lauenburg und der Trave bei Lübeck. Dieser erste nordeuropäische Scheitelkanal - die Stecknitzfahrt - hat damals wie heute eine große Bedeutung für die Binnenschifffahrt und den internationalen Handel. Die Kanalverbindung brachte immer wieder neue technische Innovationen hervor. Dieses waren im Mittelalter die sog. "Stauschleusen" und die wenngleich einfachen aber sehr effektiven hölzernen Stecknitzkähne. Die Neuzeit mit dem Bau des Elbe-Trave-Kanals kurz vor der Wende zum 20.Jahrhundert setzte erneut technische Akzente bei den für damalige  Zeiten großen Kanalabmessungen und den "Hotopp"-Schleusen.

 

Die Ausstellung widmet sich anschließend der großen Zeit der Schleppschifffahrt. Gewaltige technische Veränderungen stellten sich ab Mitte des 19.Jahrhunderts ein. Die Entwicklung der  Dampfmaschine setzte neue Maßstäbe und Möglichkeiten. Die Fortbewegung der Frachtschiffe mit Dampfschleppern war nun unabhängig von der Menschenkraft und den Witterungsverhältnissen. Ein besonderes Thema der Ausstellung bildet die ab 1866 eingeführte Kettenschifffahrt mit einem Stück Originalkette von 4,75 m Länge. Herausragende Persönlichkeit der Kettenschiffahrt auf der Elbe war der in Dresden wirkende Ewald Bellingrath (1838-1903), der diese Schifffahrtsart in wenigen Jahren zum führenden Unternehmen der deutschen Elbschifffahrt entwickelte. Ihm zu Ehren hatte das Lauenburger Elbschiffahrtsmuseum 2003 eine große dokumentarische Sonderausstellung entwickelt, welche anschließend auch an anderen Standorten gezeigt wurde.

Später lösten die großen Radschleppdampfer diese Betriebsart ab. Durch ständige  Neuentwicklungen der bekannten Werften in Dresden und Roßlau bei der Dampfmaschine, den Kesseln und vor allem bei den Schaufelrädern mit beweglichen Schaufeln entstanden immer größere Schleppleistungen. Nunmehr war es möglich, bis zu zehn beladene große Frachtkähne flußaufwärts zu schleppen.

Das Aufkommen der neuen Schiffahrtsart führte infolge eines höheren Kapitalbedarfs zum Entstehen neuer Betriebsformen. Es gründeten sich namhafte Reedereien. Einen wesentlichen Anteil hatten auch Lauenburger Reeder. Das Elbschiffahrtsmuseum zeigt anhand vieler Modelle, Bilder und Originaldokumente sowohl die schifffahrtstechnische  als auch die wirtschaftliche Entwicklung auf.

 

Neben der Frachtschifffahrt gibt es auch eine Abteilung zur Personenschifffahrt, welche ähnlich wie an anderen Elbestädten ab 1861 auch in Lauenburg eine neue Entwicklung einleitete. Sie bildete im Umfeld der großen Städte den damaligen "öffentlichen Personennahverkehr"

 

Die ständige Ausstellung im Elbschiffahrtsmuseum endet mit einer  Darstellung der Elbschifffahrt ab 1945 bis heute. Diese berücksichtigt nicht nur den westdeutschen Verkehr nach Berlin, sondern auch die Entwicklung in der damaligen DDR und der CSSR. Eine weitere Abteilung zeigt das Leben der Schiffer an Bord mit Kajütsmodellen und Fotos. Neu entstanden ist im Bereich des Wasserbaus die Abteilung "Baggern und Peilen" mit Modellen und dem früher noch von Hand einzustellenden Original-Pegelanzeiger "Hohnstorf".

 

Glanzstück ist die mit Hilfe ehrenamtlich tätiger Fachleute aus Schifffahrts- und Werftkreisen im Keller des Museums seit 1968 aufgebaute Maschinenabteilung. Sie ist mit einem Zeitaufwand von mehr als 10 000 Arbeitsstunden durch die "Museumsmaschinisten" entstanden. Noch rechtzeitig vor dem Ende der Ära der Dampfmaschine gelang es, alle wesentlichen Maschinentypen in einer chronologischen Folge zusammenzutragen. Hiermit können sowohl Lebens- und  Arbeitsbedingungen an Bord als auch der hohe Stand des Schiffsmaschinenbaues aufgezeigt werden.Heute ist die Sammlung nahezu komplett. Eine Erweiterung ist leider aus Platzgründen am jetzigen Standort des Museums nicht möglich. Wichtigste Exponate sind die 1855 erbaute oszillierende Dampfmaschine aus dem  Prager Personendampfer "Hradcany"mit angebautem Schaufelrad, die schrägliegende Radschiffsmaschine und die Kesselanlage der Bahnhofsfähre "Bad Schandau", eine typische große stehende Schraubenschiffsmaschine von Gebr. Wiemann in Brandenburgaus dem Jahre 1911 sowie der 1929 in Lauenburg gebaute "Hitzler-Diesel" und ein moderner DEUTZ-Motor, verschiedene Ankwerwindenantriebsmotore sowie ein VSP-Antrieb der Fähre Bleckede. Nahezu alle Maschinen können auf Wunsch elektrisch betrieben werden.

 

Im 1. Stock des Museums gibt es mehrfach im Jahr wechselnde Sonderausstellungen. Hier werden in wesentlich umfangreicher als in der ständigen Ausstellung möglicher Form Einzelthemen zur Elbschifffahrt behandelt. Hierzu zählen besondere Ereignisse, Jubiläen und spezielle Entwicklungen. Auch kompakte Bereiche wie die Wasserschutzpolizei im Hamburger Hafen, das Faltboot oder die Sammlung von Gemälden namhafter Künstler zur Elbe und deren Schifffahrt sind Ausstellungsthemen. Bei der Planung dieser Sonderausstellungen können wir sowohl auf die umfangreichen eigenen  Magazinbestände als auch auf die Mithilfe befreundeter Museen und Institutionen und natürlich auf private  Leihgeber zurückgreifen. Steigende an den einzelnen Themen interessierte Besucherzahlen geben diesem Konzept eine gute Basis.

 

Seit Jahren hat sich das Elbschiffahrtsmuseum in  Fachkreisen einen Namen mit der sorgfältigen wissenschaftlichen Aufarbeitung von Spezialthemen gemacht. Der  Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums e.V. übernimmt hier entsprechend seiner Satzung wesentliche Aufgabenbereiche des Museums.  Dazu gehören insbesondere die Führung des Schiffahrtsarchivs mit einer großen Sammlung von ca. 25 000 technischen Zeichnungen namhafter Werften, Speziallitteratur, Schiffsfotos, und Archivalien zur mitteleuropäischen Binnenschiffahrt. Ferner werden Forschungsprojekte zu speziellen Themen wie zum Beispiel über die Flößerei auf der Elbe oder die Entwicklung der Tragflügelboote in  Deutschland realisiert.

Der weit überregionale Aufgabenbereich des Fördervereins wird auch dokumentiert durch die Erstellung von Büchern und Schriften zur Binnenschifffahrtsgeschichte. Hier sind bereits 14 Veröffentlichungen zu Einzelthemen entstanden.

 

Alle notwendigen Arbeiten sowohl am Lauenburger Elbschiffahrtsmuseum, im Schiffahrtsarchiv, im Forschungsbereich als auch an Bord des Raddampfers "Kaiser Wilhelm" erfolgen e h r e n a m t l i c h. Ohne diese große Einsatzbereitschaft vieler Mitarbeiter wäre eine Museumsarbeit in Lauenburg nicht möglich! Dieses findet besondere Akzeptanz sowohl bei Einzelforschern, großen Vereinigungen und Forschungsinstituten als auch bei den vielen Dampfschiffsfreunden in Europa. Leider sind aufgrund der heutigen Platzverhältnisse am derzeitigen Standort keine großen Veränderungen und Erweiterungen mehr möglich, sodaß ein Umzug in ein größeres oder die Hinzufügung weiterer Gebäude für die Zukunft des Elbschiffahrtsmuseums unumgänglich ist.

 

Dipl. Ing. Werner Hinsch,

Leiter des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums 

und des Schiffahrtsarchivs

Lauenburger Elbschiffahrtsmuseum
Elbstr. 59,  21481 Lauenburg
Auskünfte unter Tel.: 04153 / 59 99 35  oder  Fax: 04153 / 55 07 54

 

  Öffnungszeiten

  Sommer:  01.03. - 31.10.   Täglich 10.00 - 17.00
  Winter:  01.11. - 29.02.   Mi., Fr., Sa. und So. 10.00 - 13.00 und 14.00 - 16.30

 

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