ELBSCHIFFAHRTSMUSEUM (LEM)
ELBSCHIFFAHRTSARCHIV (LEA)
JAHRESBERICHT 2007
Generelles:
Die Hauptaktivitäten des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums (LEM) in 2007 lagen im Bereich der Sonderausstellungen und der Ergänzung der Dauerausstellung. Darüber hinaus war das Museum bei bundesweiten Tagungen und Veranstaltungen sowie mittels Leihgaben an Sonderausstellungen auswärtiger Institutionen umfangreich vertreten. Dieses hat sich sehr positiv auf den Bekanntheitsgrad des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums und des Elbschiffahrtsarchivs in der europäischen Museumslandschaft und in Forschungskreisen ausgewirkt.
Die Besucherzahlen in 2007 sind in der Summe gegenüber den Vorjahren leicht rückgängig. Die Zahl der Besucher durch Mitglieder des Fördervereins und der Nutzer der wissenschaftlichen/archivarischen Einrichtungen des Museums und des Schiffahrtsarchivs Elbstraße 141 war weiterhin auf hohem Niveau.
In 2007 zählten wir insgesamt 5350 (5731) Besucher. Negativ hat sich die lang anhaltende Bauarbeit in der Elbstraße sowie leider eine Verringerung der Anzahl großer Sonderausstellungen im Museum auf die Besucherzahlen ausgewirkt.
Ende 2007 ist seitens der Stadt Lauenburg beschlossen worden, das Museumskonzept der Dauerausstellung zu „modernisieren“. Dazu ist das Fachbüro Uwe Franzen aus Lüneburg mit der Ausarbeitung einer neuen Präsentation der Exponate sowie möglicher baulicher Veränderungen unter Einbeziehung des Hauses „Kirchplatz 1“ beauftragt worden. Das Ergebnis soll in 2008 vorgelegt werden.
Unabdingbare Vorgabe muss dabei die überregionale Darstellung der Elbschifffahrt mit allen zugehörigen Randgebieten als zentrale Aufgabe des Museums bleiben.
Besonders erwähnenswert sind die Beteiligungen des Museums und des Fördervereins an vier großen Sonderausstellungen:
n Braunschweig, 15.4. bis 1.7.08; Braunschweigisches Landesmuseum: „Leonhard Euler - Mathematiker-Mechaniker-Physiker“ eine Ausstellung, welche das Gesamtwerk Eulers in großem Umfang aufzeigte; unsererseits ergänzt durch Leihgaben des LEM in Form von 2 Schiffsmodellen der ersten Dampfschiffe auf der Elbe, einen Originalschiffspropeller sowie Zeichnungen aus dem LEA.
n Meißen, 20.5 bis 11.11.07, Stadtmuseum: Mit dem Thema „Weinbau und Elbfischerei“ wurde eine regionale Bedeutung zweier Wirtschaftszweige vorgestellt. Insbesondere zur Fischerei konnten wir umfangreiche Exponate der vor einigen Jahren vom Förderverein übernommenen Sammlung „Starke“ ausleihen. Starke war Elbfischer in Meißen und hatte umfangreiche historische Gerätschaften zusammengetragen.
n Geesthacht, 7.6 bis 16.9., Informationszentrum des Kernkraftwerkes Krümmel: Unter dem Titel „Der Weg in die große Stadt – Personenschiffahrt zwischen Lauenburg und Hamburg 1861 – 1961“ konnte eine Vielzahl seltener Exponate unserer Archive die rund 100-jährige Geschichte der Personen- und Güterbeförderung auf der Elbe gezeigt werden. Es waren seltene Fotos, Original-Fahrpläne und Fahrkarten, Gemälde und Schiffsmodelle zu sehen.
n Verden / Aller, 10.8.07 bis 3.2.08; Deutsches Pferdemuseum: In der Sonderausstellung „Treideln – mit Pferdekraft flussaufwärts“ wurde eine Dokumentation dieses für alle Flussgebiete Mitteleuropas über Jahrhunderte bedeutsamen Fortbewegungsart dargestellt. Im Gegensatz zu fast allen anderen Flüssen herrschte auf der Elbe überwiegend das Treideln mit Menschenkraft vor. Dieses konnte durch Leihgaben des LEM und des LEA in Form von Schiffsmodellen und historischem Kartenmaterial aufgezeigt werden.
Alle vier Sonderausstellungen an exponierten Standorten waren eine weit überregionale Werbung für unsere umfangreichen Tätigkeiten am Standort Lauenburg!
Ständige Ausstellungen
Die ständige Ausstellung des Elbschiffahrtsmuseums ist in 2007 nicht verändert worden.
Für zukünftige Ausstellungsergänzungen konnte gegen Ende des Berichtsjahres von dem Modellbauer H. Weidner aus Coswig das Präsizionsmodell eines typischen Schleppkahnes für die Fahrt nach Hamburg der tschechischen Elbschiffahrt (CSPLO 610) angekauft werden.
Ein weiteres Präsizionsschiffsmodell des Gütermotorschiffes BOIZENBURG beschaffte der Verein für die Museumsausstellung. Das Modell ist von Herrn H.J. Grötschel aus Breitenhagen, Sohn des langjährigen Kapitäns des Schiffes, gebaut worden. Zu diesem Schiff wird es Anfang 2008 eine kleine Sonderausstellung im Museum geben.
Sonderausstellungen:
In 2007 fand nur eine größere neue Sonderausstellung im Lauenburger Elbschiffahrtsmuseum statt.
Der maritime EULER
Leonhard Eulers Beiträge
zum Schiffbau (1707 – 1783)
(17.8.2007 bis 29.2.2008)
Diese Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit dem Braunschweigischen Landesmuseum und Herrn Professor Horst Nowacki, Berlin. Sie zeigt die Arbeiten des genialen Schweizer Mathematikers, Mechanikers und Physikers aus Anlass seines 300. Geburtstages auf. Er ist frühzeitiger Begründer der modernen Theorie des Schiffes. Viele seiner Lösungsansätze sind bis heute von prägendem Einfluss. Das schiffstheoretische Thema, welches Eulers Lebensweg begleitete, wurde in der Ausstellung an zwei besonderen Schwerpunkten, „Fortbewegung des Schiffes“ und „Die hydrostatische Stabilität“ auf Schautafeln und speziellen Exponaten aus dem Bestand unseres Museums aufgezeigt. Eine weitere Besonderheit der Arbeiten Eulers ist „Die Entdeckung der Knicklast“ , ein Berechnungskriterium, welches noch heute (!) Basis für die Auslegung von Trägern und Stützen im Stahlhochbau und im Schiffbau ist.
Leonhard Euler wurde am 15. April 1707 in Basel geboren, studierte unter Bernoulli, wechselte 1727 an die Akademie der Wissenschaften nach St. Petersburg sowie 1741 auf Einladung Friedrich II. nach Berlin. Er kehrte 1766 nach St. Petersburg zurück und verstarb dort 1783.
Insbesondere diese sehr fachbezogene Thematik hat dem Lauenburger Elbschiffahrtsmuseum und dem Elbschiffahrtsarchiv einen neuen Besucherkreis aus Universitäten und Wissenschaftlern erschlossen sowie eine weiterreichende Zusammenarbeit mit den Universitäten in Hamburg und Berlin begründet.
Schiffahrtsarchiv (LEA)
Das vom Verein zur Förderung des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums e.V. geführte Elbschiffahrtsarchiv (LEA) hat sich in 2007 weiterhin positiv entwickelt. Durch stetigen Aufbau ist es zu einer bedeutenden Einrichtung für Forscher und Wissenschaftler geworden und spielt somit eine federführende Rolle innerhalb der Schiffahrtsmuseen Deutschlands.
Durch die räumliche Erweiterung im Erdgeschoß des Hauses Elbstraße 141 wurden wesentliche Verbesserungen für die Besucher des Archivs und gleichzeitig Platz für weitere Neuzugänge geschaffen. Dieses wirkte sich sehr positiv für die Nutzer unseres Archivs aus. So konnten Mitarbeiter anderer Archive und Institutionen hier in Lauenburg über einen längeren Zeitraum ihren Forschungsaufgaben nachkommen. Andererseits konnten wir Anfragen auch aus dem europäischen Ausland bearbeiten. Unser Archiv diente somit mehrfach der Grundlagenforschung.
Für die Restaurierung der noch in großem Umfang vorhandenen Reste des historischen Kettendampfers GUSTAV ZEUNER in Magdeburg hat unser Archiv wichtige zeichnerische Unterlagen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts im Original beigestellt! Dadurch konnte zwischenzeitlich ein Originaldokument eines für die Elbe damals typischen Schiffes ohne „artfremdes Beiwerk“ wieder entstehen. Das restaurierte Schiff wird im Magdeburger Handelshafen an Land auf einer Sockelkonstruktion wieder zugänglich sein.
Ebenfalls intensiv wurde der Bereich der technischen Zeichnungen in unserem Archiv sowohl für Nachforschungen bestimmter Schiffe als auch von Erbauern historischer Schiffe in Anspruch genommen.
Ein besonderer Neuzugang unseres Zeichnungsarchivs war gegen Ende des Jahres die Überlassung aller technischen Zeichnungen der Hitzler-Werft aus dem Zeitraum 1945 bis ca. 1959. Dieser Bestand enthält wichtige Unterlagen zum Neuaufbau der deutschen Binnenschiffsflotte nach dem II. Weltkrieg. Zusammen mit den schon seit einigen Jahren im Archiv befindlichen Beständen aus der Zeit vor 1945 kann nunmehr ein Zeitraum von mehreren Jahrzehnten Schiffbau in Lauenburg dokumentiert werden.
Besondere Glücksfälle waren die Überlassungen von Beständen aus privaten Sammlungen und Nachlässen, so auch von Herrn Vagel aus Hamburg in Form von Schifferpatenten, Fotos, Schiffspapieren und Lohnbüchern.
Weitere Literaturbestände, Fotos und Dokumente wurden in 2007 beschafft und archivmäßig bearbeitet. Die Aufarbeitung der technischen Zeichnungen aus dem Bestand verschiedener Schiffswerften konnte fortgesetzt und EDV-mäßig erfasst werden.
Der Förderverein hat in 2007 wieder erhebliche Mittel für die Beschaffung von Materialien, Büchern und Dokumenten aufgewendet. Für die Nutzung der Räumlichkeiten im Privathaus Elbstraße 141 ist Herrn Mollenhauer für sein großes Entgegenkommen sehr zu danken.
Die Stadt Lauenburg/Elbe fördert die Archivarbeiten durch einen jährlichen Zuschuss zu den Mietkosten.
Die Mitarbeiter im Archiv waren auch wie in allen Vorjahren ehrenamtlich, umfangreich tätig; ihnen gilt ein besonderer Dank!
Forschung
Tragflügelboote
Die mehr als 10-jährige Forschungsarbeit auf diesem Spezialgebiet hat mit Erscheinen von Band 5 „Tragflügelboote des Schertel-Sachsenberg-Systems - eine Deutsche Entwicklung“ in der wissenschaftlichen Schriftenreihe des Vereins zur Förderung des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums e.V. einen vorläufigen Abschluss gefunden.
Zusammenfassend betrachtet ist hier ein Thema bearbeitet worden, welches sonst wohl in einer Zeit immer neuer Entwicklungen in Vergessenheit geraten wäre. Dazu hatte ein ehrenamtlich tätiges Autorenteam wertvolle Arbeit geleistet. Unter kräftiger Mithilfe der Gotthard-Sachenberg-Stiftung und Herrn Wolfgang Fuchs vom Elbe-Spree-Verlag konnte das nahezu DIN A4 große Buch mit 260 Seiten und ca. 460 s/w Abbildungen gedruckt werden. Ihnen allen gilt ein besonderer Dank!
Vorgestellt wurde das neue Buch am 16.März in der Buchhandlung Fuchs in Hamburg und am 29.März 2007 im Lauenburger Elbschiffahrtsmuseum. Hier wurde gleichzeitig eine kleine Sonderausstellung zum Thema für einige Wochen gezeigt. Das neue Buch hat ein nachhaltiges Echo in der Fachwelt und der Fachpresse erhalten. Auch wurde es im NDR Hafenkonzert am
15. Juni 2007 vorgestellt. Das neue Buch ist ausschließlich beim Förderverein, im Elbschiffahrtsmuseum und in der Schiffsbuchhandlung Fuchs in Hamburg erhältlich!
Nach Erscheinen des Buches gehen bei uns weiterhin wertvolle Hinweise insbesondere zur Weiterentwicklung nach 1962 ein. Diese werden in unserem Archiv gesammelt und ausgewertet, stehen somit für weitere Forschungen zur Verfügung.
Geschichte des Schiffbaus
Die Arbeiten im "Fachausschuß Schiffbaugeschichte" der Schiffbautechnischen Gesellschaft e.V. (STG), angesiedelt an der Universität Hamburg- Harburg konnten in 2007 weitergeführt werden.
Die 2003 gegründete Arbeitsgruppe "Schiffsliste" unter Leitung von Herrn Prof. Nowacki von der Technischen Universität Berlin hat sich die Entwicklung eines digitalen Datenarchivs mit Schiffsbeschreibungen, überwiegend für historische Schiffe, zum Ziel gesetzt. Ein Standardformblatt wurde entwickelt und erprobt sowie ein Grundbestand an Daten aufgebaut. Die Liste ist 2007 über das „Deutsche Schiffahrtsmuseum, Bremerhaven“ (DSM) im Internet veröffentlicht. Eine Linkverbindung zu der Webseite des Lauenburger Fördervereins ist vorgesehen.
Nach dem Ausscheiden von Herrn Prof. Nowacki im Dezember 2007 wählten die Mitglieder der Arbeitsgruppe den Leiter des Lauenburger Elbschiffahrtsarchivs, Werner Hinsch, zum Vorsitzenden.
Das Ergebnis der weiteren Arbeitsgruppe "Technische Entwicklung der deutschen Handelsflotte in den 1920er und 1930er Jahren" unter Leitung von Herrn Kiedel vom Deutschen Schiffahrtsmuseum Bremerhaven, in welcher auch wir mitarbeiten, ist zwischenzeitlich „online“ auf der Homepage des DSM – www.dsm.de unter der Rubrik „Forschung“ zu finden.
Arbeitskreis historischer Schiffbau
Die 47. Jahrestagung des Arbeitskreises fand in Anwesenheit des Präsidenten, dem Leiter des Lauenburger Elbschiffahrtsmuseums, vom 12.-14. Oktober in Regensburg statt. An den Planungen und Vorbereitungen waren wir umfangreich beteiligt.
Der Arbeitskreis historischer Schiffbau versteht sich seit seiner Gründung 1964 als Plattform und Drehscheibe aller am historischen Schiffbau interessierter Modellbauer.
An den Regionaltagungen in Glückstadt, Kehdingen und Achim nahmen Vertreter unseres Archivs teil.
Anläßlich der Hamburger Modellbaumesse im November konnten auf dem Stand des Arbeitskreises zwei Modelle aus dem Elbschiffahrtsmuseum sowie historische Zeichnungen aus 1880-er Jahren ausgestellt und damit eine gute Werbung für unser Archiv mit den umfangreichen Zeichnungsbeständen geschaffen werden.
Arbeitsgemeinschaft "Binnenfähren" und "Flößerei"
In beiden Arbeitsgemeinschaften des Deutschen Schiffahrtsmuseums Bremerhaven waren wir entsprechend unserem Forschungsauftrag bei den jeweiligen Treffen vertreten.
Der "Deutsche Flößereiverband" hielt seine Jahrestagung vom 3.-6. Mai in Lenggries/Bayern ab.
Die Arbeitsgruppe "Binnenfähren" tagte an der Donau in Ulm und an der Elbe in Aken.
Grenzüberschreitende Zusammenarbeit
Anknüpfend an die gute Zusammenarbeit mit tschechischen Museums- und Schiffahrtskollegen der 1960er Jahre konnte erstmals im Juni 2007 wieder ein gegenseitiger Gedankenaustausch zwischen uns und den Historikern in Decin stattfinden. Es wurde eine intensive Arbeit zur Geschichte der Elbschiffahrt vereinbart. Dieses wird in 2008 durch die Herausgabe einer neuen Schrift in unserer Schriftenreihe „Lauenburger Hefte zur Binnenschiffahrtsgeschichte“ als Heft Nr. 11 mit wichtigen Beiträgen zur Schiffswerft in Melnik und deren für den Verkehr zur oberen Elbe typischen Schiffsneubauten dokumentiert werden. Weitere gemeinsame Projekt sind geplant.
Abschließend bleibt erneut festzustellen, daß mit den ausschließlich ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern, sowohl im Elbschiffahrtsmuseum, als auch im Elbschiffahrtsarchiv ein hohes Maß an wissenschaftlicher Arbeit erreicht worden ist. Dieses findet besondere Akzeptanz nicht nur bei Einzelforschern, sondern insbesondere auch bei großen Vereinigungen und Forschungsinstituten. Die Lauenburger Einrichtungen haben damit weit überregionale Bedeutung. Ein besonderer Dank geht daher an alle, die sich freiwillig und ehrenamtlich in den Dienst der Lauenburger Museumsaufgaben gestellt haben !!
Werner Hinsch, Museumsleiter, Archivleiter